Sebastian Walter Schöck, geboren am 28. Januar 1964 in Baden-Baden, verstorben am 8. November 2015 in Berlin, gründete die Agentur fur Alternativen 1993 in Berlin im Prenzlauer Berg. Er dokumentierte, diskutierte und präsentierte alternative VordenkerInnen, Ideen und Projekte seiner Zeit, wie zum Beispiel Runde Tische und Neues Forum, Soziale Ökonomien und selbstverwaltete Gemeinschaftsprojekte, Tauschringe und Direkte Demokratie, Dreigliederung des sozialen Organismus und Soziale Skulptur nach Joseph Beuys. Dabei sah er alle Menschen als seine potentielle Zielgruppe an. Er hoffte auf die freie Entfaltung jedes Menschen durch die bewusste Mitgestaltung der je konkreten Lebensumstände – gemäß unserer Bedürfnisse und Fähigkeiten – und auf eine von möglichst vielen Einzelnen ausgehende Heilung der gesellschaftlichen und globalen Probleme. Er übte sich in Selbstkultivierung und folgte seinen Einsichten konsequent – auch bei Unverständnis und Kritik.
Sein besonderes Interesse galt Ernährungssouveranität und dem Erhalt biologischer Vielfalt, Open-Source- Entwicklungen und umwelt- und katastrophengerechtem Hausbau, Recycling und alternativen Energien, innovativen Erfindungen und den Weisheitslehren von Hochkulturen und Naturvölkern. Er liebte gemeinsame Evidenzerlebnisse, Win-Win- Situationen und Wahrhaftigkeit. Er verbrachte viel Zeit auf freundschaftlicher Augenhohe mit Ausgegrenzten der Gesellschaft wie Bettlern und Obdachlosen, er half, wo er konnte, lebte selbst bescheiden und verschenkte viel, vor allem Bücher und ihm wichtige Informationen, pflanzte Bäume und züchtete Bienen. Viele Ziele und der Name seiner Agentur wurden durch die Alternativen (Öko-) Bewegungen aus dem Westdeutschland der 80 ́ Jahre inspiriert – gleichzeitig verehrte er die friedliche Revolution und Runden Tische aus dem Ostdeutschland der Mauerfall-Zeit.
Sebastian Walter Schock arbeitete an Strukturen, in denen kein Mensch mehr ausgegrenzt, übergangen, traumatisiert, gentrifiziert oder mundtot sondern unersetzbar gemacht wird. Sein Einsatz galt in gleichem Sinne auch dem Recht und der Wurde der Tiere, Pflanzen, Elemente, Genii Loki und anderer Kulturen. Ihm ging es darum, Umgebungen zu schaffen, in denen Entscheidungen nicht mehr allein unter dem Druck der Angst vor Armut, Einsamkeit im Alter, beruflichem oder sozialem Scheitern – oder durch die Vehemenz der Emotionen bestimmt werden, die durch unerfüllte Sehnsüchte und alte Verletzungen, Hektik und Konkurrenz, Neid, Arger und Mangel an Toleranz entstehen. – Ihm war das Erkennen und die Überwindbarkeit von Mechanismen der Manipulation, Spaltung und Ausbeutung besonders wichtig – genauso wie das Erfassen und Überwinden der ungerechtfertigten gegenseitigen Ein- und Übergriffe zwischen den Sphären von Wirtschaft, Politik und Kultur – und die Überwindung des Nationalismus.
Als studierter Betriebswirt konzentrierte er sich auf – durch das Paradigma seiner Zeit – ungenutzte Potentiale und auf die Vermeidung unnötiger Reibungsverluste. Sein Ziel war die Heilung, die Entfaltung und das Aufblühen der Innen- und Aussenwelten. Er bezeichnete sich selbst als „System-Pfleger“ und arbeitete daran Umgebungen zu schaffen, in denen der Reichtum und die Fülle, die uns die Natur schenken kann – wenn wir weise mit ihr umgehen – erlebbar wird. Ausgangspunkte hierfür waren ihm das Anlegen von Gemeinschaftsgarten und essbaren Landschaften, die Lebenswert-Erhaltung und Lebenswelt-Steigerung der Regionen und Nachbarschaften und Schutz, Wiederbelebung und Anregung von lokalen Wertschöpfungen und Wirtschaftskreisläufen, der gemeinsame Ausgleich von Interessen und die Unterstützung einer Kultur des Mitgefühls, der Dankbarkeit und des globalen, menschheitlichen Verantwortungsbewusstseins.